Ambulant statt stationär – Warum heute immer mehr Operationen nicht mehr im Krankenhaus stattfinden

Desfluran verschwindet seit 2026 fast vollständig aus europäischen OP-Sälen – nicht, weil es Patientinnen und Patienten schadet, sondern wegen seines Klimaeffekts.

Ein Medikament, das seit Jahrzehnten Millionen Menschen sicher durch Operationen begleitet hat, darf in der Europäischen Union seit dem 1. Januar 2026 nur noch in Ausnahmefällen eingesetzt werden.

Doch warum verschwindet ausgerechnet ein gut funktionierendes Narkosemittel?

Hat es gefährliche Nebenwirkungen? Oder gibt es inzwischen bessere Alternativen?

Viele Menschen vermuten zunächst, dass Desfluran verboten wurde, weil es Patientinnen und Patienten schadet.

Doch genau das stimmt nicht.

Der eigentliche Grund ist überraschend: der Klimaschutz.

Was ist Desfluran überhaupt?

Desfluran ist ein sogenanntes Inhalationsanästhetikum. Das bedeutet, dass Patientinnen und Patienten das Narkosemittel über die Atemluft einatmen.

Seit seiner Einführung in den 1990er-Jahren gehörte es zu den modernsten Narkosegasen.

Besonders geschätzt wurde es, weil viele Menschen nach der Operation schnell wieder wach wurden. Deshalb kam es häufig bei ambulanten Eingriffen oder längeren Operationen zum Einsatz.

Für die meisten Patientinnen und Patienten war Desfluran ein sicheres und bewährtes Medikament.

Warum wurde Desfluran trotzdem verboten?

Der Grund hat nichts mit der Sicherheit der Patientinnen und Patienten zu tun.

Während einer Narkose wird nur ein kleiner Teil des Gases vom Körper aufgenommen. Der größte Teil wird anschließend unverändert wieder ausgeatmet und kann in die Atmosphäre gelangen.

Genau dort beginnt das Problem.

Desfluran gehört zu den fluorierten Treibhausgasen. Diese Stoffe können das Klima deutlich stärker erwärmen als Kohlendioxid.

Deshalb hat die Europäische Union beschlossen, den routinemäßigen Einsatz von Desfluran als Inhalationsanästhetikum ab dem 1. Januar 2026 zu untersagen.

Wichtig: Desfluran verschwindet nicht wegen neuer medizinischer Risiken, sondern vor allem wegen seiner Umweltwirkung.

Bedeutet das, dass Desfluran gefährlich ist?

Nein.

Für Patientinnen und Patienten gilt Desfluran weiterhin als gut untersuchtes und wirksames Narkosemittel.

Die neue Regelung betrifft vor allem die Auswirkungen auf die Umwelt.

Das ist in der Medizin etwas Besonderes: Ein Narkosemittel verschwindet nicht hauptsächlich wegen medizinischer Nebenwirkungen, sondern wegen seines Beitrags zum Klimawandel.

Gibt es Ausnahmen?

Ja.

Die EU hat kein absolutes Verbot ausgesprochen.

Wenn Ärztinnen oder Ärzte der Meinung sind, dass Desfluran für einen bestimmten Patienten medizinisch notwendig ist und kein anderes Narkosemittel verwendet werden kann, darf es weiterhin eingesetzt werden.

Diese Entscheidung muss medizinisch begründet und dokumentiert werden.

Nach Angaben der Europäischen Kommission soll diese Begründung für fünf Jahre aufbewahrt werden.

Desfluran darf seit dem 1. Januar 2026 in der EU nicht mehr routinemäßig verwendet werden. Eine Anwendung bleibt nur möglich, wenn sie aus medizinischen Gründen wirklich notwendig ist.

Welche Alternativen gibt es?

Zum Glück stehen heute mehrere moderne Narkoseverfahren zur Verfügung.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Sevofluran, das ebenfalls eingeatmet wird, aber die Umwelt deutlich weniger belastet.
  • Propofol, das über eine Vene gegeben wird und weltweit zu den am häufigsten verwendeten Narkosemitteln gehört.
  • Remimazolam, ein neueres Medikament, das in bestimmten Situationen ebenfalls eine interessante Alternative sein kann.

Welche Methode verwendet wird, entscheidet das Anästhesieteam individuell.

Dabei spielen unter anderem Alter, Vorerkrankungen, Operationsart und die jeweilige medizinische Situation eine Rolle.

Werden Patientinnen und Patienten einen Unterschied merken?

In den meisten Fällen: nein.

Die meisten Patientinnen und Patienten werden gar nicht bemerken, welches Narkosemittel verwendet wurde.

Die Sicherheit der Narkose bleibt unverändert hoch.

Auch Aufwachzeit, Schmerztherapie und Überwachung unterscheiden sich heute meist nur wenig zwischen den verschiedenen modernen Verfahren.

Für Patientinnen und Patienten ändert sich also kaum etwas – für die Umwelt dagegen schon.

Warum spricht plötzlich jeder über nachhaltige Anästhesie?

Noch vor wenigen Jahren spielte der ökologische Fußabdruck eines Operationssaals kaum eine Rolle.

Heute beschäftigen sich Krankenhäuser und ambulante OP-Zentren immer stärker mit der Frage, wie sie Ressourcen sparen und Emissionen reduzieren können.

Dazu gehören unter anderem:

  • der Verzicht auf besonders klimaschädliche Narkosegase,
  • sogenannte Low-Flow-Narkosen, bei denen weniger Gas verbraucht wird,
  • moderne Narkosegeräte,
  • weniger Einwegmaterial,
  • neue Konzepte für einen nachhaltigeren OP-Betrieb.

Desfluran ist deshalb zu einem Symbol dafür geworden, dass sich auch die Anästhesie weiterentwickelt – nicht nur medizinisch, sondern auch ökologisch.

Unser Fazit

Das Ende von Desfluran zeigt, dass sich Medizin ständig verändert.

In diesem Fall war jedoch nicht die Patientensicherheit der Auslöser, sondern der Klimaschutz.

Für Patientinnen und Patienten bedeutet das keine schlechtere Versorgung. Moderne Alternativen stehen längst zur Verfügung und werden bereits in vielen Kliniken und ambulanten Operationszentren erfolgreich eingesetzt.

Desfluran verschwindet also nicht, weil es ein schlechtes Narkosemittel wäre.

Sondern weil die Medizin heute zunehmend auch Verantwortung für die Umwelt übernimmt.

Quellen

EU-Aus für Desfluran – Warum ein bewährtes Narkosemittel plötzlich verschwindet

Desfluran verschwindet seit 2026 fast vollständig aus europäischen OP-Sälen – nicht, weil es Patientinnen und Patienten schadet, sondern wegen seines Klimaeffekts.

Ein Medikament, das seit Jahrzehnten Millionen Menschen sicher durch Operationen begleitet hat, darf in der Europäischen Union seit dem 1. Januar 2026 nur noch in Ausnahmefällen eingesetzt werden.

Doch warum verschwindet ausgerechnet ein gut funktionierendes Narkosemittel?

Hat es gefährliche Nebenwirkungen? Oder gibt es inzwischen bessere Alternativen?

Viele Menschen vermuten zunächst, dass Desfluran verboten wurde, weil es Patientinnen und Patienten schadet.

Doch genau das stimmt nicht.

Der eigentliche Grund ist überraschend: der Klimaschutz.

Was ist Desfluran überhaupt?

Desfluran ist ein sogenanntes Inhalationsanästhetikum. Das bedeutet, dass Patientinnen und Patienten das Narkosemittel über die Atemluft einatmen.

Seit seiner Einführung in den 1990er-Jahren gehörte es zu den modernsten Narkosegasen.

Besonders geschätzt wurde es, weil viele Menschen nach der Operation schnell wieder wach wurden. Deshalb kam es häufig bei ambulanten Eingriffen oder längeren Operationen zum Einsatz.

Für die meisten Patientinnen und Patienten war Desfluran ein sicheres und bewährtes Medikament.

Warum wurde Desfluran trotzdem verboten?

Der Grund hat nichts mit der Sicherheit der Patientinnen und Patienten zu tun.

Während einer Narkose wird nur ein kleiner Teil des Gases vom Körper aufgenommen. Der größte Teil wird anschließend unverändert wieder ausgeatmet und kann in die Atmosphäre gelangen.

Genau dort beginnt das Problem.

Desfluran gehört zu den fluorierten Treibhausgasen. Diese Stoffe können das Klima deutlich stärker erwärmen als Kohlendioxid.

Deshalb hat die Europäische Union beschlossen, den routinemäßigen Einsatz von Desfluran als Inhalationsanästhetikum ab dem 1. Januar 2026 zu untersagen.

Wichtig: Desfluran verschwindet nicht wegen neuer medizinischer Risiken, sondern vor allem wegen seiner Umweltwirkung.

Bedeutet das, dass Desfluran gefährlich ist?

Nein.

Für Patientinnen und Patienten gilt Desfluran weiterhin als gut untersuchtes und wirksames Narkosemittel.

Die neue Regelung betrifft vor allem die Auswirkungen auf die Umwelt.

Das ist in der Medizin etwas Besonderes: Ein Narkosemittel verschwindet nicht hauptsächlich wegen medizinischer Nebenwirkungen, sondern wegen seines Beitrags zum Klimawandel.

Gibt es Ausnahmen?

Ja.

Die EU hat kein absolutes Verbot ausgesprochen.

Wenn Ärztinnen oder Ärzte der Meinung sind, dass Desfluran für einen bestimmten Patienten medizinisch notwendig ist und kein anderes Narkosemittel verwendet werden kann, darf es weiterhin eingesetzt werden.

Diese Entscheidung muss medizinisch begründet und dokumentiert werden.

Nach Angaben der Europäischen Kommission soll diese Begründung für fünf Jahre aufbewahrt werden.

Desfluran darf seit dem 1. Januar 2026 in der EU nicht mehr routinemäßig verwendet werden. Eine Anwendung bleibt nur möglich, wenn sie aus medizinischen Gründen wirklich notwendig ist.

Welche Alternativen gibt es?

Zum Glück stehen heute mehrere moderne Narkoseverfahren zur Verfügung.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Sevofluran, das ebenfalls eingeatmet wird, aber die Umwelt deutlich weniger belastet.
  • Propofol, das über eine Vene gegeben wird und weltweit zu den am häufigsten verwendeten Narkosemitteln gehört.
  • Remimazolam, ein neueres Medikament, das in bestimmten Situationen ebenfalls eine interessante Alternative sein kann.

Welche Methode verwendet wird, entscheidet das Anästhesieteam individuell.

Dabei spielen unter anderem Alter, Vorerkrankungen, Operationsart und die jeweilige medizinische Situation eine Rolle.

Werden Patientinnen und Patienten einen Unterschied merken?

In den meisten Fällen: nein.

Die meisten Patientinnen und Patienten werden gar nicht bemerken, welches Narkosemittel verwendet wurde.

Die Sicherheit der Narkose bleibt unverändert hoch.

Auch Aufwachzeit, Schmerztherapie und Überwachung unterscheiden sich heute meist nur wenig zwischen den verschiedenen modernen Verfahren.

Für Patientinnen und Patienten ändert sich also kaum etwas – für die Umwelt dagegen schon.

Warum spricht plötzlich jeder über nachhaltige Anästhesie?

Noch vor wenigen Jahren spielte der ökologische Fußabdruck eines Operationssaals kaum eine Rolle.

Heute beschäftigen sich Krankenhäuser und ambulante OP-Zentren immer stärker mit der Frage, wie sie Ressourcen sparen und Emissionen reduzieren können.

Dazu gehören unter anderem:

  • der Verzicht auf besonders klimaschädliche Narkosegase,
  • sogenannte Low-Flow-Narkosen, bei denen weniger Gas verbraucht wird,
  • moderne Narkosegeräte,
  • weniger Einwegmaterial,
  • neue Konzepte für einen nachhaltigeren OP-Betrieb.

Desfluran ist deshalb zu einem Symbol dafür geworden, dass sich auch die Anästhesie weiterentwickelt – nicht nur medizinisch, sondern auch ökologisch.

Unser Fazit

Das Ende von Desfluran zeigt, dass sich Medizin ständig verändert.

In diesem Fall war jedoch nicht die Patientensicherheit der Auslöser, sondern der Klimaschutz.

Für Patientinnen und Patienten bedeutet das keine schlechtere Versorgung. Moderne Alternativen stehen längst zur Verfügung und werden bereits in vielen Kliniken und ambulanten Operationszentren erfolgreich eingesetzt.

Desfluran verschwindet also nicht, weil es ein schlechtes Narkosemittel wäre.

Sondern weil die Medizin heute zunehmend auch Verantwortung für die Umwelt übernimmt.

Quellen

Remimazolam – der neue Stern am Narkosehimmel?

Remimazolam gilt als einer der spannendsten neuen Narkosewirkstoffe der letzten Jahre – aber ist es wirklich die Zukunft der Anästhesie?

Stell dir vor, dein Smartphone hätte seit 30 Jahren keine neuen Funktionen bekommen. Klar, es würde noch funktionieren – aber irgendwann wäre es Zeit für etwas Neues.

So ähnlich ist es auch bei manchen Narkosemedikamenten. Viele der Wirkstoffe, die heute täglich verwendet werden, gibt es bereits seit Jahrzehnten.

Deshalb sorgt ein neuer Name momentan für Aufmerksamkeit: Remimazolam.

Ist das wirklich die Zukunft der Narkose? Oder nur ein weiteres Medikament unter vielen?

Warum ist Remimazolam überhaupt etwas Besonderes?

In der Medizin werden nicht jedes Jahr völlig neue Narkosemittel entwickelt.

Deshalb ist Remimazolam für viele Anästhesistinnen und Anästhesisten besonders spannend.

Der Wirkstoff gehört – genau wie das bekannte Beruhigungsmittel Midazolam – zur Gruppe der Benzodiazepine. Er wurde jedoch so entwickelt, dass der Körper ihn deutlich schneller abbauen kann.

Dadurch lässt sich seine Wirkung besser steuern.

Remimazolam ist kein komplett neues Wirkprinzip, sondern eine moderne Weiterentwicklung aus der Gruppe der Benzodiazepine.

Was bedeutet das für Patientinnen und Patienten?

Ganz einfach: Wenn der Anästhesist das Medikament gibt, wirkt es innerhalb kurzer Zeit.

Wenn die Gabe beendet wird, baut der Körper den Wirkstoff ebenfalls schnell wieder ab.

Man könnte sagen: Remimazolam ist wie ein Lichtschalter – an, wenn man ihn braucht, und aus, wenn man ihn nicht mehr braucht.

Natürlich ist das etwas vereinfacht. Wie schnell jemand wieder wach wird, hängt immer auch von der Operationsdauer, weiteren Medikamenten und der individuellen Gesundheit ab.

Was sind die möglichen Vorteile?

Studien zeigen einige Eigenschaften, die Remimazolam interessant machen.

  • Es wirkt innerhalb kurzer Zeit.
  • Es lässt sich gut steuern.
  • Der Kreislauf bleibt häufig stabiler als bei manchen anderen Narkosemitteln.
  • Es gibt mit Flumazenil ein mögliches Gegenmittel.

1. Schneller Wirkungseintritt

Remimazolam wirkt innerhalb kurzer Zeit und eignet sich deshalb gut für Eingriffe, bei denen eine rasch steuerbare Sedierung oder Narkose gewünscht ist.

2. Gut steuerbar

Der Körper baut Remimazolam mithilfe spezieller Enzyme schnell ab.

Das bedeutet: Wenn weniger Medikament gegeben wird, lässt die Wirkung meist auch schneller nach als bei klassischen Benzodiazepinen wie Midazolam.

Für Anästhesistinnen und Anästhesisten ist das ein großer Vorteil, weil sich die Narkose oft präziser an den Eingriff anpassen lässt.

3. Oft stabilerer Kreislauf

Viele Menschen kennen Propofol als das klassische „weiße Narkosemittel“.

Es wirkt hervorragend – kann aber den Blutdruck deutlich senken.

Studien zeigen, dass Remimazolam bei vielen Patientinnen und Patienten den Kreislauf weniger stark beeinflusst als Propofol.

Das könnte besonders für ältere Menschen oder Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen interessant sein.

Wichtig: Ein stabilerer Kreislauf bedeutet nicht automatisch, dass Remimazolam grundsätzlich besser oder für jeden Menschen geeignet ist.

4. Es gibt ein Gegenmittel

Hier wird es besonders spannend.

Remimazolam gehört zur gleichen Medikamentengruppe wie Midazolam.

Deshalb kann seine Wirkung – falls nötig – mit Flumazenil gezielt aufgehoben werden.

Das ist ein Vorteil, den Propofol nicht bietet.

Natürlich wird dieses Gegenmittel nur eingesetzt, wenn es medizinisch sinnvoll ist.

Ersetzt Remimazolam jetzt Propofol?

Kurz gesagt: Nein.

Propofol bleibt weiterhin eines der wichtigsten Medikamente in der Anästhesie.

Es wirkt zuverlässig, ist gut untersucht und wird weltweit millionenfach eingesetzt.

Remimazolam erweitert vielmehr den Werkzeugkasten der Anästhesistinnen und Anästhesisten.

Man kann sich das wie einen Handwerker vorstellen: Ein neuer Akkuschrauber ersetzt nicht den Hammer – aber für manche Aufgaben ist er einfach praktischer.

Für wen könnte Remimazolam besonders interessant sein?

Zurzeit sehen Fachleute mögliche Vorteile unter anderem bei:

  • älteren Patientinnen und Patienten,
  • Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
  • bestimmten ambulanten Eingriffen,
  • Situationen, in denen eine gut steuerbare Sedierung wichtig ist.

Welche Medikamente letztlich eingesetzt werden, entscheidet jedoch immer das Anästhesieteam anhand der jeweiligen Situation.

Ist das Medikament schon verfügbar?

Ja.

Remimazolam ist unter dem Handelsnamen Byfavo® inzwischen auch in Deutschland für die Einleitung und Aufrechterhaltung einer Allgemeinanästhesie sowie für die prozedurale Sedierung zugelassen.

Im Jahr 2026 wurden die entsprechenden Nutzenbewertungsverfahren des Gemeinsamen Bundesausschusses abgeschlossen.

Unser Fazit

Remimazolam ist wahrscheinlich eine der spannendsten Entwicklungen in der Anästhesie der letzten Jahre.

Es macht die Vollnarkose nicht plötzlich sicherer oder „revolutionär“. Aber es bietet Ärztinnen und Ärzten eine zusätzliche Möglichkeit, die Narkose individuell an den Patienten anzupassen.

Und genau darum geht moderne Anästhesie heute: Nicht jedes Medikament passt zu jedem Menschen – sondern für jeden Menschen das passende Medikament.

Oder anders gesagt: Der beste Koch benutzt nicht nur ein Gewürz. Der beste Anästhesist auch nicht nur ein Narkosemittel.

Quellen

  • Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Nutzenbewertung Remimazolam – Einleitung und Aufrechterhaltung der Allgemeinanästhesie.
  • Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Nutzenbewertung Remimazolam – Prozedurale Sedierung.

GKV-Spargesetz 2026: Warum protestieren so viele Ärztinnen und Ärzte?

Das GKV-Spargesetz 2026 klingt trocken – könnte aber spürbar beeinflussen, wie schnell Patientinnen und Patienten künftig einen Arzttermin bekommen.

Stell dir vor, dein Lieblings-Fast-Food-Restaurant soll plötzlich mit deutlich weniger Geld genauso viele Burger verkaufen wie bisher. Mehr Gäste, weniger Einnahmen – und trotzdem soll alles genauso schnell, freundlich und zuverlässig bleiben.

Vor einem ähnlichen Problem sehen sich viele Arztpraxen in Deutschland. Der Grund dafür ist das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz.

Klingt kompliziert? Ist es eigentlich gar nicht.

Stand: 23. Juli 2026. Der Bundestag hat das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz am 10. Juli 2026 beschlossen. Über die konkreten Auswirkungen auf Praxen und Patientinnen und Patienten wird weiterhin intensiv gestritten.

Warum gibt es das Gesetz überhaupt?

Die gesetzlichen Krankenkassen haben ein großes Problem: Sie geben jedes Jahr mehr Geld aus, als sie einnehmen.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Unsere Gesellschaft wird älter.
  • Medizin wird immer besser – aber oft auch teurer.
  • Es gibt mehr Behandlungen und Medikamente als früher.
  • Gleichzeitig wachsen die Einnahmen der Krankenkassen nicht schnell genug.

Die Bundesregierung möchte deshalb verhindern, dass die Krankenkassenbeiträge immer weiter steigen. Deshalb sollen die Ausgaben stärker begrenzt werden.

Klingt doch erstmal vernünftig, oder?

Ja. Niemand möchte ständig höhere Krankenkassenbeiträge bezahlen.

Die entscheidende Frage lautet aber: Wo soll gespart werden?

Und genau darüber wird momentan heftig gestritten.

Warum protestieren so viele Praxen?

Viele niedergelassene Ärztinnen und Ärzte befürchten, dass ausgerechnet die ambulante Versorgung besonders stark betroffen ist.

Das bedeutet: Menschen sollen eigentlich weiterhin zuerst in die Arztpraxis gehen – doch genau dort könnte künftig weniger Geld zur Verfügung stehen.

Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sollen allein im ambulanten Bereich Einsparungen von rund 2,7 Milliarden Euro erfolgen.

Was bedeutet das konkret?

Viele Leistungen, die bisher vollständig bezahlt wurden, sollen künftig wieder gedeckelt werden.

Das heißt: Ab einer bestimmten Menge werden weitere Behandlungen nicht mehr vollständig vergütet.

Ein einfaches Beispiel:

Stell dir vor, du bekommst für jede Mathe-Nachhilfe 20 Euro.

Nach der 50. Stunde sagt jemand: „Die nächsten Stunden machst du bitte fast kostenlos.“

Wahrscheinlich würdest du dir überlegen, ob du noch zusätzliche Termine anbietest.

Genau davor warnen viele Praxen.

Betrifft das auch Operationen?

Ja. Nach den aktuellen Plänen sollen auch viele ambulante Operationen unter diese Begrenzungen fallen.

Dabei gilt eigentlich: Je mehr Eingriffe ambulant stattfinden, desto weniger Patientinnen und Patienten müssen ins Krankenhaus – und das spart dem Gesundheitssystem langfristig sogar Geld.

Viele Ärztinnen und Ärzte halten deshalb genau diesen Punkt für widersprüchlich.

Was könnte das für Patientinnen und Patienten bedeuten?

Niemand kann heute mit Sicherheit sagen, wie stark die Auswirkungen tatsächlich sein werden.

Kritiker befürchten jedoch unter anderem:

  • längere Wartezeiten,
  • weniger freie Termine,
  • wirtschaftlichen Druck auf kleinere Praxen,
  • weniger Motivation, sich mit einer eigenen Praxis selbstständig zu machen.

Die Bundesregierung betont dagegen, dass die medizinische Versorgung weiterhin auf hohem Niveau bleiben soll und vor allem das starke Kostenwachstum gebremst werden müsse.

Wichtig: Das bedeutet nicht, dass Arztpraxen plötzlich keine Patientinnen und Patienten mehr behandeln. Es geht um die Frage, wie Leistungen künftig finanziert werden – und welche Folgen das langfristig für Termine, Praxen und Versorgung haben könnte.

Warum betrifft das auch junge Ärztinnen und Ärzte?

Eine eigene Praxis bedeutet Verantwortung, Personal, Bürokratie und hohe Kosten.

Wenn gleichzeitig die Vergütung begrenzt wird, fragen sich viele junge Medizinerinnen und Mediziner: „Lohnt sich das überhaupt noch?“

Viele entscheiden sich deshalb lieber für eine Anstellung im Krankenhaus oder verzichten ganz auf eine eigene Praxis.

Das könnte den ohnehin bestehenden Ärztemangel in manchen Regionen weiter verschärfen.

Und was sagt die Bundesregierung?

Die Bundesregierung argumentiert:

  • Die Krankenkassen brauchen finanzielle Stabilität.
  • Ohne Reform würden die Beiträge weiter steigen.
  • Alle Bereiche des Gesundheitswesens müssten ihren Beitrag leisten.
  • Ziel sei es, die Versorgung langfristig bezahlbar zu halten.

Wer hat nun recht?

Die ehrliche Antwort lautet: ein bisschen beide.

Die gesetzlichen Krankenkassen haben tatsächlich ein Finanzproblem.

Gleichzeitig weisen viele Ärztinnen und Ärzte darauf hin, dass Einsparungen an der ambulanten Versorgung später sogar höhere Kosten verursachen könnten – zum Beispiel, wenn mehr Menschen im Krankenhaus behandelt werden müssen oder Praxen schließen.

Wie gut das Gesetz am Ende funktioniert, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

Unser Fazit

Ein Gesundheitssystem funktioniert ein bisschen wie ein Fahrrad.

Wenn die Kette abspringt, bringt es wenig, nur den Sattel zu polieren.

Die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung muss ohne Zweifel verbessert werden. Gleichzeitig wünschen sich viele Ärztinnen und Ärzte Lösungen, die nicht ausgerechnet dort sparen, wo die meisten Patientinnen und Patienten ihre medizinische Versorgung erhalten: in den Arztpraxen.

Denn am Ende geht es nicht nur um Zahlen in einem Haushalt – sondern darum, ob du auch in Zukunft schnell einen Arzttermin bekommst.

Quellen

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