● Regionalanästhesie verständlich erklärt
Der Block
Rockt!
Warum den ganzen Körper schlafen schicken? Manchmal reicht es völlig, wenn nur die Nerven am Operationsgebiet eine kleine Auszeit nehmen. Der Schmerz bleibt zu Hause – du kannst entspannt bleiben.
Kurz gesagt: Regionalanästhesie bedeutet, dass nicht der ganze Mensch schläft, sondern ein bestimmter Bereich betäubt wird. Der Schmerz bekommt lokal Hausverbot — der Rest von Ihnen darf meistens wach bleiben.
Regionalanästhesie ist ein Sammelbegriff. Gemeint sind Verfahren, bei denen Nerven gezielt betäubt werden: am Auge, an Schulter und Arm, am Bein oder an der Bauchdecke. Manchmal reicht das allein für eine Operation. Manchmal wird es mit einer Sedierung oder Vollnarkose kombiniert, damit Sie nach der Operation weniger Schmerzen haben.
Was Regionalanästhesie bedeutet
Bei einer Regionalanästhesie wird ein bestimmter Körperbereich vorübergehend betäubt. Dafür wird ein Betäubungsmittel in die Nähe eines Nervs oder eines Nervengeflechts gespritzt. Dieser Nerv leitet dann für eine Zeit keine oder deutlich weniger Schmerzsignale weiter.
Das Ziel ist einfach: Der operierte Bereich soll schmerzfrei sein. Der Rest des Körpers muss dafür nicht unbedingt in Vollnarkose. Viele Patientinnen und Patienten bleiben wach, bekommen auf Wunsch aber ein beruhigendes Medikament. Wach heißt nicht: Sie müssen tapfer an die Decke starren und medizinisch interessante Geräusche sammeln.
Regionalanästhesie kann allein eingesetzt werden oder zusammen mit einer Vollnarkose. Dann dient sie oft als sehr wirksame Schmerzbehandlung für die Stunden nach der Operation.
Spinalanästhesie und Periduralanästhesie gehören auch zur Regionalanästhesie, haben aber eigene Seiten. Hier geht es vor allem um periphere Nervenblockaden: also Auge, Arm, Hand, Bein, Fuß und Bauchdecke.
Welche Bereiche man blockieren kann
Man kann sich Nerven ein bisschen wie Stromkabel vorstellen. Wenn man das richtige Kabel vorübergehend „leiser“ stellt, wird genau der passende Bereich taub. Das ist natürlich medizinisch deutlich eleganter als ein Sicherungskasten, aber die Grundidee hilft.
zum Beispiel bei Augenoperationen
Das Auge und die Umgebung werden betäubt. Manchmal bewegt sich das Auge danach weniger. Sie bleiben oft wach, bekommen aber bei Bedarf Beruhigung. Bitte nicht erschrecken: Sehen kann vorübergehend verändert oder verschwommen sein.
Schulter, Ellenbogen, Unterarm, Hand
Der Arm wird warm, taub oder schwer. Häufig wird mit Ultraschall am Hals, unter dem Schlüsselbein oder in der Achsel gezielt ein Nervengeflecht betäubt. Der Arm macht danach Pause — bitte keine spontanen Heldentaten mit Einkaufstüten.
Knie, Unterschenkel, Sprunggelenk, Fuß
Bestimmte Nerven am Oberschenkel, Knie oder Unterschenkel werden betäubt. Der Fuß oder das Bein kann danach taub, warm oder kraftlos sein. Aufstehen bitte erst, wenn das Team es erlaubt.
Schmerztherapie nach Bauchoperationen
Hier werden Nerven in der Bauchwand betäubt, zum Beispiel für die Schmerzen nach einem Schnitt oder einer Bauchspiegelung. Die inneren Bauchorgane schlafen dadurch nicht, aber die Bauchdecke meckert deutlich leiser.
Wie eine Nervenblockade abläuft
- Planung. Das Team prüft Operation, Seite, Medikamente, Allergien, Blutgerinnung und welche Blockade sinnvoll ist.
- Überwachung. Blutdruck, Puls und Sauerstoff werden kontrolliert. Ein venöser Zugang liegt meist schon oder wird gelegt.
- Position. Je nach Blockade liegen oder sitzen Sie anders. Beim Arm ist der Kopf manchmal zur Seite gedreht, beim Bein wird das Bein gelagert, beim Auge liegen Sie ruhig auf dem Rücken.
- Desinfektion. Die Haut wird gereinigt und steril vorbereitet. Kalt, aber sinnvoll.
- Ultraschall oder Orientierung. Viele Blockaden werden heute mit Ultraschall gelegt. Das Team sieht Nerven, Gefäße und Nadel besser. Medizinisches Navi, nur ohne „bitte wenden“.
- Betäubung. Das Medikament wird in die Nähe des Nervs gespritzt. Danach braucht die Wirkung einige Minuten.
- Test. Vor Beginn wird geprüft, ob die Betäubung reicht. Wenn nicht, wird nachgesteuert oder ein anderer Plan gewählt.
Was Sie dabei spüren
Beim Legen spüren Sie meist Desinfektionskälte, Berührung, Druck und manchmal einen kurzen Pieks. Wenn der Nerv sehr nah ist, kann es kurz kribbeln oder wie ein kleiner Stromimpuls wirken. Bitte sagen Sie das sofort. Das ist keine Beschwerde, sondern eine Navigationshilfe.
Wenn die Blockade wirkt, wird der Bereich warm, taub, kribbelig oder schwer. Bei einer Armblockade fühlt sich der Arm manchmal an wie ein fremder Mitbewohner. Bei einer Fußblockade kann der Fuß sehr überzeugt davon sein, heute nicht zuständig zu sein.
Während der Operation sollen Sie keinen Schmerz spüren. Druck, Ziehen, Bewegung oder Berührung können manchmal wahrnehmbar sein. Das ist nicht automatisch gefährlich. Wenn es weh tut, sagen Sie es sofort. Das Team kann Medikamente geben, ergänzen oder auf eine andere Narkose wechseln.
Bitte sofort melden: Schmerzen beim Einspritzen, starkes Kribbeln, Luftnot, Schwindel, metallischer Geschmack, Ohrensausen, Herzrasen, Sehstörungen oder das Gefühl „so geht es nicht“. Lieber einmal zu früh gesprochen als einmal zu lange die Hauptrolle im Stummfilm gespielt.
Warum Nüchternheit trotzdem wichtig ist
Auch wenn eine Regionalanästhesie keine Vollnarkose ist, sollen Sie vor planbaren Operationen häufig nüchtern kommen. Der Grund ist der Plan B: Wenn die Blockade nicht ausreichend wirkt, die Operation länger dauert oder eine Sedierung/Vollnarkose nötig wird, muss der Magen möglichst sicher sein.
6 Stunden vorher keine feste Nahrung und keine Milchprodukte
2 Stunden vorher keine klaren Flüssigkeiten mehr
Klare Flüssigkeiten sind zum Beispiel Wasser, Tee oder Kaffee ohne Milch. Smoothies, Milchkaffee, Kakao und Proteinshakes zählen nicht als klare Flüssigkeit. Ein Smoothie bleibt eine Mahlzeit im Glas, auch wenn er sehr sportlich aussieht.
Die Anweisung Ihrer Klinik gilt immer zuerst. Bei Notfällen, Reflux, Schwangerschaft, Diabetes, bestimmten Medikamenten oder erhöhter Aspirationsgefahr können andere Regeln gelten.
Blutverdünner und Medikamente
Blutverdünner sind auch bei Regionalanästhesie wichtig. Wie streng die Regeln sind, hängt von der Blockade ab. Eine oberflächliche, gut komprimierbare Stelle ist anders zu bewerten als eine tiefe Blockade in der Nähe großer Gefäße oder nicht gut zugänglicher Räume.
Bitte niemals selbst absetzen. ASS, Marcumar, Eliquis, Xarelto, Lixiana, Pradaxa, Clopidogrel, Clexane, Certoparin oder Heparin können für Sie sehr wichtige Schutzmedikamente sein. Bringen Sie Ihren Medikamentenplan mit, inklusive Dosierung und letzter Einnahme.
Bei manchen Blockaden ist ASS 100 allein oft unproblematisch. Moderne Blutverdünner oder Heparin-Spritzen brauchen je nach Blockade, Dosis und Nierenfunktion Abstand. Das Team entscheidet, ob die Blockade sicher möglich ist oder ob ein anderer Narkoseplan besser passt.
Risiken und Nebenwirkungen
Periphere Regionalanästhesien sind bewährte Verfahren und können Schmerzen sehr gut lindern. Trotzdem gibt es Nebenwirkungen. Die meisten sind vorübergehend. Seltene Komplikationen nimmt man ernst, weil Nerven keine Lust auf Experimente haben.
- Unvollständige Wirkung. Manchmal ist ein Bereich nicht ausreichend betäubt. Dann kann nachgespritzt, ein anderes Schmerzmittel gegeben oder auf Vollnarkose gewechselt werden.
- Taubheit und Muskelschwäche. Das ist oft gewollt und lässt nach Stunden wieder nach. Wichtig: solange Arm oder Bein taub sind, nicht belasten, nicht heiß baden, nicht allein laufen.
- Bluterguss oder Schmerzen an der Einstichstelle. Meist harmlos, aber bei zunehmender Schwellung oder starken Schmerzen bitte melden.
- Nervenreizung. Kribbeln, Taubheit oder Schwäche können vorübergehend bleiben. Dauerhafte Nervenschäden sind selten.
- Infektion. Selten, aber möglich. Rötung, Fieber, Eiter oder zunehmende Schmerzen gehören gemeldet.
- Allergische Reaktion. Sehr selten, aber wichtig. Bekannte Allergien bitte vorher nennen.
- Lokalanästhetika-Nebenwirkung. Wenn Betäubungsmittel versehentlich in ein Blutgefäß gelangt oder zu hoch dosiert wird, können Ohrensausen, metallischer Geschmack, Kribbeln um den Mund, Herzrasen, Krampfanfälle oder Kreislaufprobleme auftreten. Deshalb wird überwacht.
- Spezielle Risiken je nach Ort. Bei Schulter- oder Halsblockaden können vorübergehend Heiserkeit, hängendes Augenlid oder Atemgefühl auftreten. Sehr selten kann Luft zwischen Lunge und Brustwand gelangen. Bei Augenblockaden sind Blutung, Augenbewegungsstörung oder sehr selten Sehprobleme möglich.
Nach der Operation sofort melden: neue starke Schmerzen, zunehmende Schwäche, Taubheit über die erwartete Wirkzeit hinaus, Atemnot, starke Schwellung, Fieber, Sehstörungen nach Augenblockade oder ein Arm/Bein, das sich „nicht richtig zurückmeldet“.
Danach: taub, schwer, gut geschützt
Nach einer Regionalanästhesie kann der betäubte Bereich noch viele Stunden taub oder schwach sein. Das ist oft ein Vorteil, weil die erste Schmerzphase nach der Operation ruhiger wird. Es ist aber auch eine Verantwortung: Ein tauber Körperteil beschwert sich nicht zuverlässig.
- Ein tauber Arm soll nicht herunterhängen oder eingeklemmt werden.
- Ein taubes Bein oder ein tauber Fuß soll nicht allein belastet werden.
- Keine Wärmflasche, kein heißes Bad, kein Heizkissen auf den betäubten Bereich.
- Schmerzmittel rechtzeitig nehmen, bevor die Blockade komplett nachlässt.
- Bei ambulanten Eingriffen gelten Abholung, Begleitung und die Vorgaben Ihrer Klinik.
Solange es taub ist, gehört es geschützt. Ein betäubter Fuß ist kein verlässlicher Projektleiter. Ein betäubter Arm auch nicht.
Häufige Fragen zur Regionalanästhesie
Bin ich während der Operation wach?
Oft ja. Auf Wunsch ist häufig eine Sedierung möglich, also ein beruhigendes Medikament zum Dösen. Bei manchen Eingriffen wird die Blockade mit Vollnarkose kombiniert.
Tut eine Nervenblockade weh?
Meist spürt man einen kleinen Pieks, Druck und manchmal kurzes Kribbeln. Die Haut kann vorher betäubt werden. Viele Menschen finden es weniger schlimm als erwartet.
Wie lange hält eine Blockade?
Das hängt von Medikament, Dosis und Ort ab. Häufig wirkt sie mehrere Stunden, manchmal deutlich länger. Ihr Team sagt Ihnen, womit Sie rechnen sollen.
Was passiert, wenn die Blockade nicht wirkt?
Dann wird nicht heldenhaft weitergemacht. Es kann nachgesteuert, zusätzlich betäubt, Schmerzmittel gegeben oder auf Sedierung beziehungsweise Vollnarkose gewechselt werden.
Kann ich nach einer Armblockade den Arm bewegen?
Manchmal kaum oder gar nicht, solange die Blockade wirkt. Das ist geplant. Der Arm muss gut gelagert und geschützt werden, bis Gefühl und Kraft zurückkehren.
Kann ich nach einer Fußblockade laufen?
Nicht allein. Solange Fuß oder Bein taub oder schwach sind, besteht Sturzgefahr. Aufstehen und Gehen bitte nur nach Freigabe und mit Hilfe.
Ist eine Augenblockade gefährlich?
Sie ist ein bewährtes Verfahren, aber sehr präzise. Vorübergehend können Sehen und Augenbewegung verändert sein. Sehr selten sind ernstere Probleme möglich. Deshalb wird genau ausgewählt, welche Betäubung für die Augenoperation passt.
Was ist der Unterschied zu Spinalanästhesie und PDA?
Spinalanästhesie und PDA wirken rückenmarksnah. Periphere Nervenblockaden wirken weiter außen an einzelnen Nerven oder Nervengeflechten, zum Beispiel für Arm, Hand, Bein, Fuß, Auge oder Bauchdecke.
Zum Weiterlesen
Die Angaben zu Regionalanästhesie, Nervenblockaden, Risiken und Blutverdünnern folgen aktuellen Patienteninformationen und anästhesiologischen Empfehlungen. Primärquellen:
- Gesundheitsportal Österreich — Regionalanästhesie und periphere Regionalanästhesie.
- Royal College of Anaesthetists — Nervenschäden nach peripheren Nervenblockaden.
- Anesthesia Patient Safety Foundation — Sicherheit bei peripheren Nervenblockaden.
- AWMF-Register 001-005 — rückenmarksnahe Regionalanästhesien und antithrombotische Medikation; relevant zur Einordnung von Blutverdünnern bei tiefen Blockaden.
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Medizinischer Hinweis: Diese Informationen sind allgemeiner Natur und ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit Ihrem Anästhesieteam. Welche Regionalanästhesie für Sie geeignet ist, hängt von Operation, Körperregion, Medikamenten, Blutgerinnung, Vorerkrankungen und den Vorgaben der behandelnden Einrichtung ab. Im Notfall wählen Sie 112, außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. — Letzte Aktualisierung: Juli 2026.

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